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VoceVista

Geschichte

VoceVista, wie wir es heute kennen, ist aus mehreren verschiedenen Wurzeln entstanden und vereint unterschiedliche Ansätze zur Stimmanalyse und Visualisierung. Die ursprüngliche Version entstand aus Donald Millers Bestreben, seine Laufbahn als professioneller Sänger und Gesangslehrer mit seinem Interesse an Akustik und Stimmwissenschaft zu verbinden.

Don Millers Bericht

Im Folgenden erzählt Don selbst, wie er zur Stimmforschung kam und wie VoceVista zu einer führenden Größe auf diesem Gebiet wurde.

Stimmwissenschaft und frühe Experimente

1964, nach einem Aufbaustudium und professionellen Auftritten in Europa, kam ich als Gesangslehrer an die Syracuse University (SU) und wurde später Professor für Gesang. Diese Stelle bot einzigartige Möglichkeiten, darunter den Zugang zur Tri-Cities Opera im nahen Binghamton und die Mitarbeit an der Voice-Foundation-Initiative der SU, die modernste Technik für die Forschung in Laryngologie und Stimmwissenschaft bereitstellte.

Mein frühes Interesse an Phonetik hatte mich bereits zur Akustik und Stimmwissenschaft geführt, und an der SU hatten wir die seltene Gelegenheit, die Stimmlippen beim Singen per Videostroboskopie zu beobachten. Im Rahmen der Voice-Foundation-Initiative arbeitete ich mit der Gesangslehrerin Jo Estill und dem Sprechwissenschaftler Ray Colton zusammen und wurde nach und nach in die Symposien der Voice Foundation in New York City eingebunden.

In den späten 1970er Jahren brachte mich eine zufällige Begegnung mit Richard Miller vom Oberlin Conservatory in Kontakt mit Harm Schutte, einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Stimmforscher in Groningen in den Niederlanden. Diese Verbindung erwies sich als entscheidend: In Groningen hatte der Gesangspädagoge William Vennard mit dem Stimmwissenschaftler Janwillem van den Berg an der myoelastisch-aerodynamischen Theorie der Stimmerzeugung gearbeitet.

1984 verbrachte ich ein Sabbatical bei Dr. Schutte und betrieb bahnbrechende Forschung zu den sub- und supraglottischen Drücken in der Singstimme. Unsere Experimente lieferten bedeutende Ergebnisse, die dem gängigen wissenschaftlichen Verständnis widersprachen: Die Druckdaten zeigten, dass der grundlegende akustische Impuls negativ war und eine Verdünnungswelle statt einer Verdichtungswelle erzeugte. Harm Schutte und ich setzten unsere Untersuchungen in den folgenden 25 Jahren fort, trugen regelmäßig zu den Symposien der Voice Foundation bei und veröffentlichten in begutachteten Fachzeitschriften. 1987 zog ich nach Groningen, um mich ganz der wissenschaftlichen Forschung zu widmen, vor allem der Frage, wie moderne Technik den praktischen Gesangsunterricht bereichern könnte.

Die Ursprünge von VoceVista

In den 1990er Jahren waren Personal Computer so leistungsfähig geworden, dass sie Spektrumanalysen in Echtzeit durchführen konnten und damit unmittelbar sichtbar machten, wie sich Formant-Tuning auf die Harmonischen der Stimme auswirkt. Mit Unterstützung des Universitätsklinikums Groningen entwickelten wir ein MS-DOS-Programm, das das Mikrofonsignal, die Spektrumanalyse und das Signal des Elektroglottographen (EGG) gleichzeitig darstellen konnte. Unsere ersten Präsentationen auf den Symposien der Voice Foundation weckten zwar nur begrenztes Interesse, doch im praktischen Unterricht zeigte die Technik großes Potenzial.

Ein Durchbruch gelang, als Jim Doing, ein amerikanischer Tenor, der an der University of Missouri unterrichtete, als erster professioneller Sänger visuelles Feedback zum Formant-Tuning erfolgreich im Unterricht einsetzte. Die Entwicklung der Software nahm durch die Zusammenarbeit mit wichtigen Weggefährten Fahrt auf. Garyth Nair, Chorleiter an der Drew University, half, sie benutzerfreundlicher zu machen. Der Ingenieur Richard Horne integrierte sowohl die akustischen als auch die EGG-Signale in die erste Windows-Version, und der niederländische Ingenieur Gerrie Goeree baute ein erschwingliches EGG-Gerät und machte die Technik so für Sänger und Gesangslehrer zugänglich.

Mit der Integration von Spektrogramm-Software durch Richard Horne ließen sich die Resonanzanpassungen von Sängern in Echtzeit sichtbar machen. Das führte 2007 zur ersten „Wired Master Class“ mit dem Pädagogen Scott McCoy und 2008 zu Präsentationen auf der Konferenz der National Association of Teachers of Singing (NATS), zeitgleich mit dem Erscheinen von Resonance in Singing, einem umfassenden Handbuch zur Arbeit mit VoceVista. Die akustische Analysesoftware mit EGG-Funktion wurde als VoceVista Pro bekannt und etablierte sich weltweit als wichtiges Werkzeug für Gesangslehrer. Ihre Wirksamkeit wurde durch akademische Forschung bestätigt, darunter die Doktorarbeit von Stephen Robertson am Royal Conservatoire of Scotland.

Dies ist eine gekürzte Fassung des ursprünglichen Textes. Lies die lange Fassung.

Die parallele Entwicklung von Overtone Analyzer

Während sich die Geschichte von VoceVista in Groningen entfaltete, nahm in Deutschland ein anderer Weg zur Stimmanalyse Gestalt an. 2003 taten sich zwei Menschen mit unterschiedlichen, aber einander ergänzenden Hintergründen zusammen und gründeten Sygyt Software. Der Firmenname, entlehnt vom tuwinischen Wort für eine Kehlgesangstechnik, die ausgeprägte Obertöne erzeugt, spiegelte die tiefe Verbindung der Gründer zum Obertongesang wider.

Bodo Maass’ Weg begann an der Universität Oxford, wo er Kognitionswissenschaft studierte. Seine berufliche Laufbahn führte ihn zunächst nach Washington, D.C., wo er bei MicroStrategy an sprachbasierten Mensch-Maschine-Schnittstellen arbeitete. Zurück in Oxford wurde er der erste Mitarbeiter von NaturalMotion und leitender Entwickler der Software „endorphin“, eines Systems, das mit Prinzipien der künstlichen Intelligenz menschliche Bewegungen synthetisierte. 1994 lernte er den Obertongesang kennen und stellte fest, dass es kaum qualifizierte Lehrer gab, und diese Erfahrung weckte in ihm den Wunsch, bessere Werkzeuge zum Erlernen der Technik zu entwickeln. Seine Suche führte ihn zu Wolfgang Saus, bei dem er sich für eine einjährige Ausbildung einschrieb.

Saus brachte eine einzigartige Verbindung aus wissenschaftlicher Ausbildung und klassischer Gesangsexpertise mit. Jahrzehnte als Sänger und Lehrer hatten ihm ein tiefes Verständnis dafür gegeben, wie die Stimme funktioniert und wie das Gehirn Klang verarbeitet. Er hatte Hunderte von Schülern ausgebildet und innovative Methoden entwickelt, mit denen sich die Intonation im Chor durch Obertonkontrolle verbessern lässt: seine Methode der „Chorphonetik“. Overtone Analyzer entstand aus der gemeinsamen Erkenntnis, dass eine entscheidende Lücke klaffte: Es fehlte an wirksamer Software für den Unterricht im Obertongesang. Ihre Software machte Obertöne sichtbar und verständlich, was nicht nur für den Obertongesang wertvoll war, sondern für die Gesangspädagogik insgesamt.

Das Zusammenwachsen mit VoceVista

2008 begannen die parallelen Wege zusammenzulaufen. Bodo Maass und Donald Miller erkannten das Potenzial, ihre unterschiedlichen Ansätze zu vereinen, und vereinbarten, gemeinsam an einem neuen Produkt zu arbeiten: „VoceVista Video“, aufbauend auf der bewährten stimmwissenschaftlichen Methodik von VoceVista und der fortschrittlichen Visualisierung von Overtone Analyzer. Sie wählten die Plattform von Overtone Analyzer als Grundlage, planten aber eine komplette Neuentwicklung für mehrere Plattformen: nicht nur für PC und Mac, sondern langfristig auch für iOS und Android.

Die Software musste sowohl den praktischen Bedürfnissen von Gesangslehrern als auch den strengen Anforderungen von Stimmwissenschaftlern gerecht werden. 2017 mündeten diese Bemühungen in die erste plattformübergreifende Version von VoceVista Video für Mac und PC. Der Zusammenschluss vereinte zwei unterschiedliche Ansätze: das traditionelle wissenschaftliche Format von VoceVista, verwurzelt in der klassischen Gesangspädagogik und der Formantanalyse, und die eher musikalische Perspektive von Overtone Analyzer, die harmonische Obertöne als Bausteine der Musik in den Vordergrund stellt.

Diese sich gegenseitig ergänzende Verbindung von wissenschaftlicher Strenge und musikalischer Zugänglichkeit erwies sich als besonders wertvoll, um eine Brücke zwischen Stimmwissenschaft und praktischer Pädagogik zu schlagen. Mit Version 6.0 (2026) wurde die lange geplante Videointegration abgeschlossen: Videoaufnahme, Wiedergabe und bildgenaue Betrachtung stehen nun direkt neben der Klanganalyse, sodass das „Video“ in VoceVista Video für eine vollständig integrierte Funktion steht. Gleichzeitig wurden die Editionen umbenannt: Die ursprüngliche Edition Overtone Analyzer wurde zu VoceVista Basic, und die höchste Edition, bis dahin VoceVista Video Pro, wurde zu VoceVista Pro und greift damit den Namen von Don Millers ursprünglichem EGG-fähigem Programm auf. Die Entwicklung geht bis heute weiter: Ziel ist es, den Funktionsumfang der Software zu erweitern und sie dabei für Gesangslehrer und -schüler zugänglich zu halten.